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Politisch korrektes Kasperltheater

23. Juli 2010
Von Aranita

So darf Punch Judy nicht mehr hauen

In Deutschland sind es Kasperl und Gretel, in England Punch und Judy, die in Kasperletheatern die Kinder erheitern. Während in Deutschland Kasperl meistens das Krokodil verhaut, geht in England Punch (übersetzt “Schlag”) mit seinem Stock, der traditionell so groß ist wie er selbst, auf Judy und andere Charaktere los.

Bereits im Jahre 1999 haben die Behörden darüber nachgedacht, diese “Verherrlichung der häuslichen Gewalt” der heutigen Zeit anzupassen – passiert ist damals allerdings noch nichts. Jetzt scheinen die Engländer reif zu sein, dass eine 300 Jahre alte Tradition abgeschafft wird. Die Behörden der Touristen- und Hafenstadt Portsmouth haben nun den Betreiber eines Kasperltheaters aufgefordert, sein Programm zu ändern. Man könne Kindern diese “Gewalt” nicht zumuten.

Statt seines langen Steckens darf Punch jetzt nur noch mit einem Staubwedel und einer Kitzelstange den anderen Puppen zu Leibe rücken. Allerdings wurde betont, dass er dies nur solange dürfe, bis auch das jemand zu gewaltverherrlichend findet. Alle weitergehenden Konflikte sollen die “Opfer” von Punch ab sofort mit Hilfe der örtlichen Behörden lösen.

Das englische Puppenspiel geht auf die Commedia dell’ Arte zurück und zwar auf die Figur des Pulcinella, ein grober, tölpelhafter, aber auch listiger Diener bäuerlicher Herkunft. In der viktorianischen Version wurde das Puppentheater übrigens damit beendet, dass Punch seine Frau, das Kind und den Henker umgebracht hat.

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3 Kommentare zu “ Politisch korrektes Kasperltheater ”

  1. Aranita am 6. August 2010 um 22:18

    Ja, leider gehen die Themen in Sachen Verbotswahn niemals aus. Deine Weiterführung des Themas auf Deutschland bezogen ist auch interessant – ich war da zu sehr auf England fixiert und habe gar nicht an die Folgen für den deutschen Kasperl gedacht. Aber das hast du ja dankenswerterweise übernommen.

    Ich habe mich eh schon gewundert, warum man Grimms Märchen noch nicht verboten hat – wenn man die Maßstäbe anlegt, die sogenannte Jugendschützer dem Internet (dem neumodischen Inbegriff des Bösen) zuschreiben, hätte man prima die Schuldfrage geklärt, warum unsere Generation teilweise so unangepasst ist :-)

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  2. SvB-Blog » Blogarchiv » Kasperltheater am 6. August 2010 um 17:04

    [...] nach Großbritannien, noch genauer nach Portsmouth. Dem immer wieder lesenswerten Blog von Aranita (Verbotswahn.de) entnehme ich folgende unglaubliche Geschichte: In Deutschland sind es Kasperl und Gretel, in [...]

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  3. SvB am 6. August 2010 um 16:58

    Endlich bin ich über Dein Blog gestolpert – dabei hätte ich wissen müssen, daß Du ein gutes Blog haben musst :-)

    Ich habe Deinen Kasperltheaterartikel aufgegriffen und bei mir ein bisserl weitergesponnen und dabei gleichzeitig auf Dein Blog hingewiesen. Den Verbotswahn zu thematisieren ist eine prima Idee. Das liefert Themen auf Jahre hinaus.

    Zurück zum Kasperl: Hast Du Dir Gedanken gemacht, daß Herkules heute den Augiasstall nicht mehr ausmisten könnte, ohne sich strafbar zu machen? Seine Technik mit den umgeleiteten Flüssen ist heute keine Heldentat mehr, sondern ein Verstoß gegen die Gewässerordnung.

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