Willkommen bei Magazine Premium

Hier kannst du dein Blog nach deinen Wünschen konfigurieren.

Probiere einfach aus, was Magazine Premium für Möglichkeiten bietet!

Member Login

Lost your password?

Not a member yet? Sign Up!

Es ist so bequem, unmündig zu sein

14. Juli 2010
Von Aranita

Immanuel Kant, einer der bedeutendsten deutschen Philosophen

1784 schrieb Immanuel Kant (1724-1804), deutscher Philosoph im Zeitalter der Aufklärung, folgendes zur Frage “Was ist Aufklärung?”: “Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u.s.w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Daß der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.

Heute, im Jahre 2010, ist die Unmündigkeit der Menschen weiter fortgeschritten denn je. Selber denken? Fehlanzeige. Zu seiner Meinung stehen? Nur dann, wenn diese Meinung eine tatsächliche oder suggerierte Mehrheit hat. Ja nicht anecken, ja nicht aus der Masse heraustreten.

Einen erschreckenden Tiefpunkt der Unmündigkeit hat der Volksentscheid zum totalen Raucherbot in Bayerns Gastronomie zu Tage gebracht. Zwar werden die Initiatoren des Volksentscheids nicht müde zu betonen, wie demokratisch doch alles sei, denn das Volk habe ja entschieden. Doch wie ist diese Entscheidung “des Volkes” zustande gekommen?

Im Wahlkampf hatte ich die Gelegenheit, mit vielen Menschen zu sprechen. Die überwiegende Mehrheit wusste nicht, um was es bei diesem Volksentscheid wirklich geht. Hier hat die Lügenpropaganda der ÖDP voll ihre Wirkung erzielt. Die Behauptung, wenn man beim Volksentscheid mit “NEIN” stimmen würde, würde “fast überall wieder geraucht werden” (Zitat aus der Webseite der Initiatoren des Volksentscheides) hat sich in den Menschen eingebrannt. Selbst recherchieren? Den Wahlzettel genau lesen? Fehlanzeige. Rauchen ist “Pfui” und man will ja nicht, dass überall wieder geraucht wird.

Ich will nicht auf der Wahlbeteiligung herumreiten. Diese war so unterirdisch niedrig, dass in anderen Bundesländern der Volksentscheid nicht durchgegangen wäre. Ich will auch nicht auf dem Namen des Volksentscheides (die FDP sprach von einem “Verbotsentscheid”) herumreiten. Denn “Volksentscheid für echten Nichtraucherschutz” ist genauso eine Lüge, wie vieles, was die Initiatoren im Wahlkampf so von sich gegeben haben. Denn warum sollte in einer Shisha-Bar oder Zigarrenlounge ein “echter Nichtraucherschutz” eingeführt werden? Welcher Nichtraucher, den der Tabak stört, hat etwas in Lokalen verloren, die ausschließlich dem Zweck des Rauchens dienen? Wieso muss ein Nichtraucher in einer Shisha-Bar geschützt werden?

Die Mehrheit der Menschen, die zur Abstimmung gegangen sind, hat sich dafür entschieden, Menschen auszugrenzen. Besitzer und Mitarbeiter von Shisha-Bars, Zigarren- und Pfeifenlounges und die Angestellten und Besitzer von vielen kleinen Kneipen kaltlächelnd auf die Straße zu schicken um Hartz IV zu beantragen.

Ein beliebtes “Argument” der Befürworter des totalen Rauchverbots in der Gastronomie war die Aussage: “Die paar Minuten hinausgehen um zu rauchen stört doch niemanden”. Nun, man kann militanten Antirauchern nachsehen, dass sie nicht wissen, dass man eine Zigarre, Pfeife oder Nargile nicht in ein “paar Minuten” raucht. Man kann ihnen aber nicht nachsehen, dass bei unseren Witterungsverhältnissen das Hinausgehen oft nicht möglich ist oder oft nur mit einem gewaltigen Gesundheitsrisiko verbunden ist. Dann nämlich, wenn es draußen regnet, schneit oder windet.

Man kann ihnen auch nicht nachsehen, dass ihnen die durch das Rauchen vor der Türe von Lokalen die Ruhe der Nachbarn völlig egal ist. Denn selbst wenn die Menschen vor der Türe – Raucher und ihre nichtrauchenden Freunde – relativ leise sind, was nach ein paar Bier schon schwer genug ist, so ist es einfach die Menge der Menschen, die einen Lärmpegel erzeugt, der die Nachbarn um ihren Schlaf bringt.

Und warum das Ganze? Weil man selbst nicht mehr in der Lage ist, mündig zu sein. Weil man ein totalitäres Gesetz will, um ja selbst nicht mehr nachdenken zu müssen. Um theoretisch in eine Zigarrenlounge gehen zu können, wo dann nicht mehr geraucht wird. Um theoretisch mit seinen Kindern in eine kleine Eckkneipe gehen zu können, wo niemand seinen Kindern zuliebe hineingehen würde. Weil man nach Gesetzen schreit, die Andersdenkende ausgrenzen.

Die Geschichte hat uns gelehrt, was passiert wenn die Menschen immer unmündiger werden und alles in die Hand eines starken Staates legen. Kant sagte: “Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!”. Ich fürchte nur, dass dieser eigene Verstand bei den Befürwortern totaler Verbote schon längst nicht mehr vorhanden ist.

Popularity: 6% [?]

Share on Facebook

Tags: , , , , , , ,

3 Kommentare zu “ Es ist so bequem, unmündig zu sein ”

  1. PeWi am 15. Juli 2010 um 10:29

    @ Wolfgang: Ich bin Nichtraucherin und esse auch gern, ohne das Rauch um meine Nase weht. ABER: Wer sind denn die paar Hansel, die anderen verbieten in einen Raucherclub zu gehen? Ich würde da nicht hingehen. Ich muss das aber auch nicht. Es ist einfach nur dumm, zu unterstellen, dass plötzlich ALLE Lokale Raucherclubs würden. Wieso wollen ein paar Hanseln ihre Meinung anderen einfach verordnen? Mit dem Rauchverbot beginnt es, wie wird es weitergehen? Und alles im Namen der Gesundheit? Für mich sind das Gesundheitsfaschisten.

    Beliebter Kommentar. Gut oder Schlecht: Thumb up 5 Thumb down 1 (+4)
  2. Aranita am 14. Juli 2010 um 23:48

    @Wolfgang: Ich weiß nicht, ob Sie keine Ahnung haben oder ob Sie bewusst lügen. Ich nehme einmal an, dass Sie aus Unwissenheit die ÖDP-Lügen weiterverbreiten, und daher einmal die Tatsachen:

    Täglich sprechen zig Menschen mit Abgeordneten. Meist irgendwelche Lobbyvertreter, wie auch der VEBWK. Wenn aus jedem dieser Gespräche Gesetze entstehen würden, gäbe es täglich zig neue Gesetze. Es ist eine Lüge, dass Lockerungen des bayerischen Rauchverbotes beschlossen wurden. Dre VEBWK hat nur seine Meinung der Staatsregierung mitgeteilt, nicht mehr und nicht weniger.

    Wenn Menschen, die eine Abneigung gegen Tabakrauch haben, gerne Essen und Trinken, so ist das selbstverständlich in Ordnung. Nur warum zum Geier müssen sie das unbedingt in einer Shisha-Bar tun? Und wie ich bereits erwähnt habe: Eine Nargile raucht man sehr lange, nicht in wenigen Minuten. Was zum Geier geht es irgendwelche Verbotsfanatiker an, wenn Menschen abseits in irgend einem Lokal Nargiles rauchen?

    Machen Sie auch einen Volksentscheid, weil sie unbedingt in eine Lesbenbar oder eine In-Disko hinein wollen und man sie da nicht hinein lässt? Genau diese Haltung ist es, die Unmündigkeit aufzeigt. Seien Sie doch so mündig und gehen Sie in ein Lokal, was Ihren Vorlieben entspricht. Weder Sie noch irgendwer anders hat das Recht, theoretisch oder praktisch überall hinein zu kommen.

    Beliebter Kommentar. Gut oder Schlecht: Thumb up 6 Thumb down 0 (+6)
  3. Wolfgang am 14. Juli 2010 um 16:09

    Hidden due to lowcomment rating. Click here to see.

    Mieser Kommentar. Gut oder Schlecht: Thumb up 7 Thumb down 16 (-9)

Kommentar hinterlassen



Featured

Gute Seiten

 

Juli 2010
M D M D F S S
« Jun   Aug »
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031  

Gelistet bei: