Bild 2 zeigt, wie man sich bei einer Brücke verhalten soll, die hochgeklappt werden kann, wenn ein Schiff durchfahren will. Derartige Hinweise findet man häufig. Man hat den Eindruck, dass die Menschen immer dümmer gehalten werden, dass sie ja keine eigenen Entscheidungen treffen sollen. Man kaut ihnen alles vor, hält sie dumm. Die eigene Entscheidung wird immer mehr in den Hintergrund gestellt. Einen sogenannten “Gesunden Menschenverstand” findet man immer seltener. Auch Kritik an diesem Vorgehen habe ich recht selten erlebt. Es ist nämlich durchaus bequem, nicht mehr selbst denken zu müssen. Im Prinzip werden die Menschen wie Kinder gehalten, denen von den Eltern (hier dem Staat) gesagt wird, was sie zu tun haben und was nicht.
An vielen Orten im Freien herrscht Alkoholverbot (Bild 3), wie hier an der Strandpromenade von Torquay. Begründet wird das damit, dass sich besonders Frauen und Kinder durch Angetrunkene belästigt fühlen könnten. Nun mag das sicher ab und zu vorgekommen sein, dass jemand mit einem Bier zu viel etwas lauter lacht oder vielleicht auch einen dummen Spruch ablässt. Aber deshalb gleich ein allgemeines Verbot installieren? Bei den ganzen Verboten fällt auf, dass häufig Frauen und noch häufiger Kinder als Argument für Verbote missbraucht werden. Die allermeisten Diktatoren dieser Welt hatten das schon erkannt. Um ihre Macht unwidersprochen durchzusetzen, nutzten sie Kinder. Denn Kinder gehen so schön direkt ins Gefühl, das Denken wird dabei völlig abgeschaltet – und das ist Sinn der Sache. Die Kontroll- und Verbotssüchtigen nutzen diese Tatsache gekonnt für sich aus.
Interessant sind auch die Warnhinweise auf Lebensmitteln. Ob der Senf, der Senf enthält (Bild 4), oder ob Produkte vollgeschrieben sind mit Inhaltsstoffen, die im Produkt enthalten sein könnten – lesen wird das zwar kaum jemand. Aber die Hersteller sind auf der sicheren Seite, denn sie haben ja vor etwaigen Stoffen, die einzelne nicht vertragen könnten, gewarnt. Zwar haben die Texte auf den Lebensmitteln noch nicht den Umfang von Beipackzetteln der Medikamente, aber sie haben ja auch (noch) nicht so viele Zusatzstoffe wie die Erzeugnisse der pharmazeutischen Industrie.
Andererseits findet man kaum Produkte, die nicht Fett-oder Cholesterin-reduziert sind. Ich habe ziemlich lange nach einem Joghurt gesucht, welches nicht voll von künstlichen Stoffen ist, die das Fett reduzieren – irgendwann habe ich entnervt aufgegeben und das für mich ekelhaft schmeckende fettfreie Joghurt herunter gewürgt. Auch hier wurden die Menschen gekonnt manipuliert. Ihnen wurde eingeimpft, dass Fett und Cholesterin ungesund sei – da wird dann nicht mehr darauf geachtet, was man statt dessen mit isst. Das – wie überall in der Chemie – die Dosis das Gift macht, wird völlig unterschlagen.
Die Engländer essen gerne eine braune Soße, die sie zu fast jedem Gericht hinzugeben. Die Inhaltsstoffe lesen sich dabei wie das Who is Who der chemischen Industrie (siehe Bild 5). Übrigens: Neben dieser Soße fügen sie vielen Gerichten Essig hinzu. Am liebsten essen die Inselbewohner Pommes Frites mit dem sauren Zeug. Auch hier sind die Inhaltsstoffe für die Menschen völlig nebensächlich. Wichtig ist, dass kein Fett enthalten ist.
Auch beim Rauchen sind die Engländer ja Vorreiter, was Verbote betrifft. Das Rauchen ist an allen öffentlichen Orten ohne Ausnahme grundsätzlich verboten. Das schließt die komplette Gastronomie ebenso ein wie zum Beispiel Fußballstadien oder andere Sportstadien, die komplett im Freien sind wie zum Beispiel dort, wo Rugby oder Baseball gespielt wird. England ist auch der Vorreiter bei den sogenannten “Schockbildern” auf Zigarettenschachteln (Bild 6). Zwar haben seriöse Untersuchungen schon längst gezeigt, dass diese Bilder keinerlei Wirkung auf die Konsumenten haben. Das spielt allerdings keine Rolle. Die WHO mit ihrer Tabakkontrolle behauptet einfach, dass diese Bilder angeblich Menschen vom Rauchen abhalten würden, das reicht dann auch schon, um diesen Unsinn mit zu machen.
An einigen Orten fahren noch Dampflokomotiven (Bild 7). Selbstverständlich herrscht im Zug und an den Bahnhöfen Rauchverbot. Ob der Passiv-Feinstaub der Dampfloks die Menschen dahinrafft wie der angebliche Passivrauch der Tabakprodukte, ist allerdings nicht bekannt. Hier könnte die Tabakkontrolle durchaus noch tätig werden.
Die Rauchverbote in der Gastronomie zeigen übrigens auch die Nachteile, die von Rauchverbots-Gegnern immer angemahnt werden. So stehen vor den Pubs Menschentrauben, Raucher wie Nichtraucher, so dass es oft schwierig ist, daran vorbei zu kommen. Teilweise stehen die Menschen auch auf der Straße, wenn der Bürgersteig nicht ausreicht. Dies provoziert dann Unfälle. In den Städten haben die Menschen mittlerweile das Rauchverbot in der Gastronomie akzeptiert. Das Pubsterben, welches zweifelsfrei auch durch das Rauchverbot entstanden ist, wird als notwendiges Übel angesehen. Viele Wirte bestätigten mir, dass die Umsätze zum Teil massiv eingebrochen sind, weil die Menschen einfach viel kürzer in den Lokalen verweilen.
Was auffiel, war die Tatsache, dass bei schlechtem Wetter die Außentische fast immer mit Rauchern belegt sind, bei gutem Wetter nehmen die Nichtraucher diese Plätze ein, so dass rauchende Menschen um diese Tische herum stehen. Ganz “scharfe” Wirte beginnen zum Teil bereits, auch ihre Außentische als “rauchfrei” zu kennzeichnen. Vorreiter ist, wie beim Rauchverbot in den Lokalen auch, die Systemgastronomie wie Pizza Hut und ähnliche Lokale, wo es nicht auf die Gemütlichkeit ankommt, sondern auf die schnelle Abfertigung.
Es wird ja häufig von Rauchverbots-Befürwortern damit argumentiert, dass endlich die Familien mit Kindern die Lokale stürmen würden, wenn dort nicht geraucht wird. In diesem völlig durchschnittlichen Pub sind neben Rauchern auch Kinder unter 14 Jahren verboten (siehe Bild 8). Wohlgemerkt, das ist keine Oben-Ohne-Bar, auch keine der Spielhallen, in denen Kinder übrigens zu Hauf zu finden sind, wo sie dann ihr Taschengeld verzocken. Nein, es ist ein völlig normales Pub.
Interessant fand ich auch die Cola-Flaschen, die man fast ausschließlich nur noch in der Plastik-Variante findet. Auf dem Deckel findet sich der Hinweis, dass man diesen nur per Hand öffnen darf (Bild 9). Wer bitte kommt auf die Idee, diesen Drehverschluss mit dem Fuß oder einem Korkenzieher zu öffnen? Häufig findet man auch Kopfsteinpflaster. Auch davor muss man die Menschen warnen, ganz besonders die Eltern von Kindern. Wahrscheinlich würden Massen von Kindern sich am Kopfsteinpflaster verletzen, wenn ihre Eltern diese Warnmeldung (Bild 10) nicht präsentiert bekommen würden. Manchmal fragt man sich, wie die Generationen vor dem Nanny-Staat überhaupt überleben konnten. Vielleicht einfach durch den vielfach beschworenen Gesunden Menschenverstand, durch Rücksichtnahme und durch ein eigenes Nachdenken. Viele Engländer genießen die wenigen sonnigen Tage am Strand. Auch hier fehlt es nicht an Warnungen und Verboten. Eines der besonderen Art soll hier hervorgehoben werden: Es ist verboten, Sand vom Strand mit zu nehmen. Einen Bediensteten, der von jedem Besucher die Schuhe kontrolliert, ob ja nicht etwas Sand daran hängen geblieben ist, konnte ich allerdings nicht ausmachen.Landschaftlich ist England ein wunderschönes Land. Auch die allermeisten Menschen sind freundlich, hilfsbereit, höflich und zuvorkommend. Beim Autofahren zu Beispiel ist es mir niemals passiert, dass ich an Einmündungen oder Ausfahren länger als einige Sekunden gestanden bin, man hat mich in den Verkehr hinein gewunken. Hier hat Deutschland eindeutig Nachholbedarf. Die Rücksichtslosigkeit, gerade im Straßenverkehr, wird einem schmerzhaft bewusst, sobald man die Grenze nach Deutschland wieder überfahren hat, ja schon dann, wenn man in Frankreich von der Fähre aufs Festland fährt.
Fazit der Reise: Politisch gesehen ist das Vereinigte Königreich durch seinen Verbotswahn und seinen Nanny-Staat eigentlich ein “No-Go”. Die reizvolle Landschaft, die freundlichen Menschen und nicht zuletzt der für Europäer gute Umrechnungskurs tragen aber dazu bei, dass ich dieses Land wohl wieder öfter besuchen werde. Und sei es nur deshalb, mit den Menschen zu sprechen. Und bei einigen beginnt sogar langsam ein Umdenken und die Einsicht, dass Verbotswahn und Dauerkontrolle doch nicht die schöne neue Welt ist, die uns von den Machthabern immer wieder so gerne vorgekaut wird.
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