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Wehrt euch gegen die Bananenbürokratie!

4. Februar 2010
Von Aranita

Hans Magnus Enzensberger (Bild: Mariusz Kubik)

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat einen Beitrag von Hans Magnus Enzensberger veröffentlicht, in dem Enzensberger sehr gut die Europäische Union beschreibt. Schon der Titel “Wehrt euch gegen die Bananenbürokratie” zeigt, dass Enzensberger kritisch mit der EU umgeht. Kritisch zwar, aber nicht unfair. Auch die Vorteile, die wir durch die EU haben, werden aufgezeigt.

Enzensberger weist zum Beispiel darauf hin, dass wir seit 1945 zwischen den Mitgliedern der EU keinen bewaffneten Konflikt mehr hatten. “Das ist eine Anomalie, auf die Europa stolz sein kann” so der Schriftsteller. Auch das problemlose Reisen in andere Länder der EU oder die Möglichkeit, ohne große Schwierigkeiten aus den Mitgliedsländern zum Beispiel Bücher kaufen zu können wird lobend erwähnt.

Enzensberger aber wäre nicht Enzensberger, wenn er nicht auch die Schattenseiten erkennen und benennen würde. An erster Stelle kritisiert er das demokratische Defizit in der EU. Wörtlich schreibt Enzensberger:

Schon seit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft haben Ministerrat und Kommission dafür gesorgt, dass die Bevölkerung bei ihren Beschlüssen nichts mitzureden hat. Als hätte es die Verfassungskämpfe des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts nie gegeben, haben sie sich von Anfang an auf eine Kabinettspolitik verständigt, die alles Wesentliche im Hinterzimmer aushandelt. Dass dieser Rückfall in vorkonstitutionelle Zustände durch kosmetische Korrekturen zu heilen wäre, glaubt inzwischen niemand mehr. Das vielbeschworene demokratische Defizit ist also nichts weiter als ein vornehmer Ausdruck für die politische Enteignung der Bürger.

Auch der Regulierungswahn wird angesprochen:

Wir rauchen, wir essen zu viel Fett und Zucker, wir hängen Kruzifixe in Schulzimmern auf, wir hamstern illegale Glühbirnen, wir trocknen unsere Wäsche im Freien, wo sie nicht hingehört. Wir bilden uns ein, wir könnten selbst entscheiden, wem wir unsere Wohnung vermieten. Wir protestieren, wenn man uns verbietet, den Apfelwein Apfelwein zu nennen. Wir benutzen Kondome, die mehr als zwei Millimeter von der normalen Weite abweichen, und wir lassen uns den gefährlichen Rohmilchkäse schmecken. Wo kämen wir hin, wenn nicht europaweit immer genau dieselben Baustoffe verwendet würden und wenn unsere Bananen weniger als vierzehn Zentimeter lang wären!

Enzensberger räumt ein, dass die EU zwar ohne “Geheimpolizei und ohne Terror” auskommt. Die “Herrschaft” gibt sich “menschenfreundlich”, kommt auf “leisen Sohlen” daher und will ja nur unser Bestes. Wie ein gütiger Vormund sorgt die Herrschaft dafür, dass wir gesund leben, nicht rauchen, auf keinen Fall selbst denken. Die Herrschaft schreibt uns vor, wie wir zu leben, zu denken und zu fühlen haben. Da wir hilflos und unmündig sind, müssen wir “gründlich betreut und umerzogen” werden. Es ist an der Zeit, sich zu wehren.

Hans Magnus Enzensberger wurde 1929 in Kaufbeuren geboren und lebt in München. Er studierte Literaturwissenschaften und Philosophie und promovierte mit einer Arbeit über Clemens Brentano. Enzensberger erhielt zahlreiche Preise, darunter mehrfach den Deutschen Kritikerpreis, den Georg-Büchner-Preis, den Heinrich-Böll-Preis, den kulturellen Ehrenpreis der Stadt München und zuletzt den Sonning-Preis, zu dessen Verleihung er die in der FAZ veröffentlichte Rede hielt.

Enzensberger eckte oft an. So legte er gerne den Finger in Wunden, wo andere noch gar nicht ahnten, dass welche klafften. Über den “Spiegel” schrieb er beispielsweise bereits im Jahre 1957:  “1. Die Sprache des ‘Spiegel’ verdunkelt, wovon sie spricht. 2. Das deutsche Nachrichtenmagazin ist kein Nachrichtenmagazin.” Denn: Es produziere auf Emotion zielende Storys statt Nachrichten. Enzensberger, selbst Raucher, vergleicht gerne das Rauchen mit dem Lesen: “Aber die Lektüre ist auch ein Laster. Das ist wie Rauchen. Sehr schwer, sich das abzugewöhnen. Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem Hotel, drei Wochen Urlaubsverbannung, und Sie haben nichts zu lesen. Da würde ich sogar Schundromane lesen.”

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Ein Kommentar zu “ Wehrt euch gegen die Bananenbürokratie! ”

  1. Joe am 4. Februar 2010 um 10:00

    Die Menschen kapieren langsam, was die EU wirklich will. Ich denken allerdings, dass es uns noch viel zu gut geht um aufzustehen und zu kämpfen. Leider wehren sich die meisten menschen erst dann, wenn es zu spät ist.

    Gut oder Schlecht: Thumb up 2 Thumb down 1 (+1)

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