In England schließen wöchentlich mehr als 55 Pubs, nicht mitgezählt diejenigen, welche sich die Systemgastronomie krallt. Grund dafür ist unter anderem das Rauchverbot. Jetzt schwappt das Sterben der kleinen Lokale auch nach Frankreich hinüber. Aus 200.000 Bistros vor 50 Jahren sind es gerade einmal noch gut 36.000 geworden. Frankreichweit, wohlgemerkt. Allein im Großraum Paris mussten im letzten Jahr etwa 2.000 Bistros für immer schließen.
Wie war das früher? Baskenmütze, Rotwein, Baguette und Gauloises sind fast ausgestorben und jetzt trifft es auch noch den Rest französischer Lebensart: Die Bistros. Bernard Quartier, der Präsident des französischen Gaststätten-Verbandes geht davon aus, dass der Niedergang sich weiter fortsetzen wird. Hauptverantwortlich ist nach Quartiers Worten in erster Linie das Rauchverbot, welches fast allen Bistros Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent beschert hat.
Selbstverständlich würde man es sich zu leicht machen, wenn man das Rauchverbot alleine für die Schließungen von Pubs und Bistros verantwortlich machen würde. Zweifelsohne trägt es aber einen großen Teil zum Bistro-Sterben bei. Rauchverbotsbefürworter argumentieren zwar mit den verschärften Alkoholkontrollen im Straßenverkehr oder damit, dass Bistros einfach nicht mehr “in” seien. Aber ist das ein Grund, diese einstigen Institutionen Frankreichs mutwillig zu zerstören?
Quartier versucht zu retten, was zu retten ist und empfiehlt den Bistro-Betreibern, sich auf eine “notwendige Anpassung und Modernisierung” einzulassen. Damit meint er, dass die Bistros dem Zeitgeist folgen sollten und neben der Änderung der Inneneinrichtung und der Speisekarte “hübsche Kellnerinnen wie in den Szenebars” einstellen sollten. Stellt sich die Frage, ob man kahle Räume, in denen Mädchen im Minirock Hamburger und Cola servieren, noch als “Bistro” bezeichnen kann. Sinnvoller wäre es, den Wirten das Leben durch unsinnige Rauchverbote nicht unnötig schwer zu machen. Dann klappts auch wieder mit der französischen Tradition und Kultur.
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