Spam ist eines der schlimmsten Übel des Internets, darüber sind sich wahrscheinlich die meisten Internetnutzer einig. Insofern macht es durchaus Sinn, dass Maildienste versuchen, Spam zu eliminieren. Sehr schnell gerät man dabei aber in die Problematik der Zensur, wie kürzlich die Beitreiber der Webseite MMNews leidvoll erfahren mussten.
Was war passiert? Seit November 2009 können Kunden von GMX und Web.de (beide Dienste gehören zu United Internet) im Gegensatz zu den allermeisten anderen Internetnutzern keine Mails mehr von MMNews empfangen. Grund: Der Mailserver von MMNews soll auf der schwarzen Liste des Spamlistenbetreibers Spamhaus.org stehen. Laut Aussage von Andreas Maurer, eines Verantwortlichen von GMX bzw. Web.de im “1&1 Blog” ist Spamhaus.org ein “internationales Projekt zur Bekämpfung von E-Mail-Missbrauch”, dessen Blacklists als “Industriestandard” gelten würden und von “Internet-Anbietern in aller Welt” verwendet würden. Seltsam mutet dabei an, dass die Mails von MMNews ausschließlich bei GMX und Web.de blockiert werden und zwar so, dass sie nicht einmal im Spam-Ordner der Kunden landen, sondern einfach nicht zugestellt werden. Der Kunde erfährt auch nicht, dass Mails blockiert wurden, die Mails werden einfach nicht angenommen und an die Empfänger verteilt.
Ein Wort zu Spamhaus.org: Diese Organisation war schon häufiger im Zentrum der Kritik. So bekam ein User, der sich an Spamhaus.org wandte um zu fragen, warum sie nachweislich unschuldige Mailserver zensieren, die folgende Antwort eines Mitarbeiters: “I am terribly sorry but our media people said to tell you to fuck off.” (“Es tut mir leid, aber unsere Medien-Verantwortlichen lassen Ihnen ausrichten: Verpiss dich.”). Zusätzlich wird der Organisation Erpressung, größter Feind der Meinungsfreiheit zu sein und völlige Intransparenz vorgeworfen. Niemand weiß so genau, wer hinter Spamhaus.org wirklich steckt. Wer einmal in der Blacklist von Spamhaus.org steht, hat augenscheinlich kaum Chancen, wieder herauszukommen.
Zurück zu GMX und Web.de: Maurer begründete die Sperrung damit, dass die IP-Adresse von MMNews sich in einem IP-Adressbereich befinde, “der für zahlreichen Spamversand und andere cyberkriminelle Aktivitäten genutzt wird”. Um das auf das “wirkliche Leben” zu übertragen wäre das das selbe, wie wenn die Post sich weigern würde, Ihre Briefe zuzustellen, weil in der Hausnummer neben Ihnen jemand wohnt, der nach Aussagen irgendeiner Organisation Verbrechen verübt.
Selbstverständlich ist es richtig, Spam zu blockieren. Ob die Zusammenarbeit mit Spamhaus.org der richtige Weg ist, sei dahingestellt. Noch wichtiger aber ist es, sich nicht von einer Organisation abhängig zu machen, die mit ein paar Tastendrücken problemlos unliebsame Mailprovider einfach so zensieren kann.
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