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Prüderie Made in USA

31. Januar 2010
Von Aranita

Das Merriam-Webster's, ein verbreitetes Lexikon in den USA

Über die Prüderie der Amerikaner sind ja schon Bücher geschrieben worden. Einerseits herrscht dort größtenteils der Wahn, sich die Brüste bis zum Gehtnichtmehr aufpumpen zu lassen, andererseits: Ansehen darf man sie nicht. Nun gibt es eine neue Geschichte über die amerikanische Prüderie, die ein Lexikon betrifft.

Das Merriam-Webster’s College Dictionary wurde in einem kalifornischen Schulbezirk aus allen Klassenräumen verbannt. Grund: Es enthält die Definition des Wortes “Oralsex”. Nun haben die Amerikaner scheinbar große Probleme mit Oralsex. In Virginia und Maryland ist diese Spielart der Sexualität sogar gesetzlich verboten.

Kürzlich ging die Geschichte des 17-jährigen Generalow Wilson durch die Presse. Der Schüler wurde zu 10 Jahren Haft verurteilt, weil er einvernehmlichen Oralsex mit seiner 15-jährigen Freundin hatte.  Seine Anwältin Brenda Joy Bernstein kommentierte das Urteil wie folgt: “Er wurde wegen des Vorwurfes der Vergewaltigung freigesprochen, er wurde lediglich verurteilt wegen Oralsex, der im Einverständnis mit dem Mädchen stattgefunden hat.”

Nach zweieinhalb Jahren Haft sollte Wilson freikommen, weil, so ein Richter, das Gesetz verfassungswidrig sei. Gegen diesen Freispruch legte der Staatsanwalt allerdings Berufung ein mit dem “Erfolg”, dass der mittlerweile 21-jährige weiter in Haft bleiben muss. Das Leben des Schülers ist dadurch ein Trümmerhaufen geworden, denn in den USA werden Menschen, die wegen Sexualdelikten verurteilt wurden, lebenslang in Datenbanken gespeichert, zu denen jeder Zugang hat. Mittlerweile gibt es sogar schon eine Software für das iPhone, mit der amerikanische Bürger ihre Nachbarschaft nach verurteilten Sexualstraftätern absuchen können.

Doch zurück zum Lexikon. Nach dem sich Eltern beschwert hatten, dass im Merriam-Webster’s College Dictionary das Wort “Oralsex” erklärt wurde, verschwand das Buch aus den Schulen im Riverside County, einem Bezirk, der immerhin 9.000 Schüler hat. Es gab ein Hin und Her zwischen Zensur-Befürwortern und -Gegnern  und es wurde sogar ein Komitee gegründet, welches herausfinden sollte, ob das Lexikon altersgemäß sei. Nach langem Hickhack kam das Komitee dann zu der Entscheidung, dass das Lexikon wieder in die Schulregale zurückkehren dürfe, allerdings können die Eltern bestimmen, ob ihr Kind das Lexikon benutzen darf oder ob es ein anderes verwenden muss, in dem das Wort “Oralsex” nicht vorkommt.

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