Seit ein paar Tagen geistert eine seltsame Meldung durch Blogs und Foren: Angeblich sei es geplant, für Webseiten eine sogenannte Alterskennzeichnungspflicht einzuführen. Inhalte, die für Menschen bis zu 16 Jahren ungeeignet sind, dürfen dann nur noch von 22:00 Uhr bis 6:00 Uhr verbreitet und zugänglich gemacht werden. Betroffen davon seien alle Webseiten, insbesondere die Seiten, die Kommentare zulassen. Denn ein Kommentator könne ja auf einer als nicht jugendgefährdeten Seite einen Beitrag hinterlassen, der jugendgefährdend ist. Die Betreiber von Webseiten sollen darüberhinaus verpflichtet werden anzugeben, ob ihre Seite für Besucher ab 6, 16 oder 18 Jahren geeignet ist. Überprüft soll dies dann alles durch eine Behörde werden, für die es auch schon einen klingenden Namen geben soll: Bundesamt für die Freigabe von Internetinhalten (BAfII).
Ein Blog schreibt zu diesem Thema unter anderem folgendes:
Die Provider seien künftig angehalten, “jugendgefährdende Beiträge” zu erfassen und in den Tagstunden, an denen auch Minderjährige vor dem Rechner sitzen könnten, zu blockieren. Laut dem Entwurf müssen alle Betreiber von Webseiten diese künftig vom Bundesamt für die Freigabe von Internetinhalten (BAfII) klassifizieren und freigeben lassen. Neue Inhalte würden von der bestimmt neuzugründenden Behörde, die ihren Sitz im strukturschwachen Pasewalk nehmen wird, “noch taggleich geprüft und eingeschätzt”. Webmaster müssen ihre Inhalte dann nur noch kennzeichnen, um Surfern anzuzeigen, ob einzelne Beiträge, Bilder oder Filme für Leser ab 6, 12, 16 oder 18 Jahre geeignet sind.
Normalerweise würde nun jeder sagen: “Was für ein bodenloser Schwachsinn, das kann nur eine Ente sein!”. Allerdings gab es vor einigen Jahren schon einmal den Versuch, erotische Inhalte eben einem solchen Verbot zu unterziehen. Man hat davon aber schon lange nichts mehr gehört. Hat sich nun irgend ein Blogger einen Spaß erlaubt, um zu sehen, ob das Volk alles glaubt? Oder gibt es tatsächlich so durchgeknallte Politiker, die allen Ernstes diesen Schwachsinn fordern?
Dass das Ganze eher in den Bereich “Satire” einzuordnen ist, zeigt auch der Hinweis, dass diese neue Behörde in der 11.000 Einwohner zählenden Stadt Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern ihren Sitz haben soll. Was aber wirklich bedenklich ist, ist die Tatsache, dass man sich in der heutigen Zeit nicht mehr sicher sein kann, ob so ein Bericht Wahrheit oder Satire ist. Immerhin erschien er ja nicht am 1. April und immerhin muss man unseren Politikern durchaus zutrauen, einen derartigen Unsinn zu beschließen. Denn man konnte sich vor 20 Jahren ja auch nicht vorstellen, dass die Politik aufgrund der Passivrauchlüge das Rauchen in Gaststätten verbieten würde.
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Als ich noch den Rote-Socken-Blog führte, wurde mal durch eine dubiose Kinderschutzorganisation mein Blog ab 16 eingestuft.
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Das muss Satire sein, nicht nur wegen der Stadt Pasewang. Ich stimme allerdings zu: Die eigentliche Problematik ist, dass man heute nicht mehr zwischen Satire und wirklichen Verboten unterscheiden kann. Muss man eigentlich ein Verbotsgen in sich haben, um Politiker zu werden? Oder reicht Machtgeilheit und Arroganz aus?
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